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Roman Ernst im Interview: „Mit Geduld und Beharrlichkeit zum KI-Erfolg“

Veröffentlicht von Marina Illy auf 2. Juli 2019 09:20:40 MESZ
Marina Illy
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Künstliche Intelligenz ist das Herzstück von solvatio. Roman Ernst ist seit 18 Jahren bei der solvatio AG und beschäftigt sich als Mitglied des Research Teams täglich mit der Technologie.

Roman, künstliche Intelligenz (KI) ist eines der Trendthemen unserer Zeit. Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe Biologie mit Nebenfach Informatik studiert und mich auf Neurogenetik, Verhaltensbiologie und künstliche Intelligenz spezialisiert. Seit 2001 bin ich bei solvatio und habe KI-Verfahren für technische Diagnostik angewendet. KI ist ein High-Tech Thema, das mich fasziniert. Als Mitglied unseres Research Teams forsche ich intensiv an der Anwendung moderner Verfahren und treibe die Technologie im Unternehmen voran.

Was hat sich seit deinen Anfängen bei solvatio in Bezug auf KI geändert?

Anfangs haben wir bei solvatio klassische Expertensystem-Methoden wie z.B. Case-based Reasoning oder heuristische Klassifikation eingesetzt. Diese erforderten noch sehr viel manuelle Konfiguration, weshalb wir sie im Lauf der Zeit durch modernere und leistungsfähigere Verfahren, insbesondere Machine Learning, abgelöst haben. Machine Learning gab es zwar schon damals, aber es standen noch nicht die Rechenleistung und Speichermengen zur Verfügung, um es effizient einzusetzen. Auch haperte es meist an der Verfügbarkeit und Qualität von historischen Datensätzen zum Training von Modellen.

Bestandsaufname: Was kann KI heute leisten und wie sieht es in der Zukunft aus?

Heute ist KI schon gut darin spezifische Aufgaben zu erledigen, wie z.B. Sprachverstehen, Übersetzung, Bilderkennung oder - als Beispiel aus unserem Kundenbereich - bei der Fehlerdiagnose der Leitungsnetze von Internetprovidern. In 10 bis 15 Jahren wird KI vielleicht fähig sein, Aufgaben auf allgemeinere Art zu lösen. Künstliche Intelligenz könnte dann Problemstellungen eigenständig erkennen, die notwendigen Daten und Algorithmen bestimmen und die Lösungen erlernen, ohne dass KI-Experten so viel vorgeben müssen wie heute. Auf diesem Weg ist Automated Machine Learning, kurz AutoML genannt, ein brandaktuelles Forschungsthema. AutoML hat unter anderem zum Ziel, den wichtigen Schritt der Datenaufbereitung, der heute noch viel Zeitaufwand für Experten erfordert, vollständig zu automatisieren.

Interview Roman_Ernst_2DE2

Wie erklärst du Leuten deinen Job?

(Lacht) Das ist manchmal wirklich nicht einfach. Mittlerweile hat zwar jeder schon einmal das Wort KI gehört – doch unter diesem Begriff sammeln sich die unterschiedlichsten Vorstellungen. Oft wird KI mit Robotik gleichgesetzt und die Leute denken, ich programmiere Roboter. Ich versuche dann zu erklären, dass bei Robotern auch KI eingesetzt wird, ich aber im Bereich KI-Software und Beratung für andere Einsatzgebiete arbeite. Verstanden wird das nicht immer.

Welche Eigenschaft hilft dir in deinem Alltag am meisten?

Geduld und Beharrlichkeit! Das hat mir schon im Studium geholfen - und hilft mir auch jetzt noch. Es ist nicht einfach, auf diesem Gebiet nachhaltige Lösungen in realen produktiven Umgebungen zu erzielen, da sich dort permanent Umgebungsparameter ändern. Deshalb ist es wichtig, ausdauernd an einem Thema zu arbeiten.

Mein Job ist unverzichtbar, weil…

…in absehbarer Zukunft kaum mehr Software ohne irgendeine Art von KI-Komponente im Markt sein wird. KI ist im Moment die Spitze der Technologie – hiermit werden die Weichen für die Zukunft gestellt.

Welche Herausforderungen gibt es beim Einsatz von KI-Projekten?

Ein Hindernis ist Vertrauen: In der vergangenen Hype-Phase experimentierten Unternehmen und setzten KI in verschiedensten Formen ein - auch in Anwendungsbereichen, in welchen grundlegende Voraussetzungen fehlten oder klassische Verfahren bessere Resultate erzielen. Die Ergebnisse von KI-Einsätzen waren zum Teil mäßig und Ernüchterung ist eingekehrt. Diese Erkenntnis hat sich in sämtlichen Branchen herumgesprochen und wir müssen nun gegen diesen Vertrauensverlust ankämpfen. Gleichzeitig haben Spracherkennung, Bild-, und Fehlererkennung riesige Fortschritte gemacht, was Unternehmen zu Gute kommt. Bei KI-Projekten ist vor allem die richtige Einschätzung entscheidend: Was kann die Technologie leisten, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein und an welcher Stelle sind herkömmliche Methoden besser geeignet? Hier liegt die Herausforderung und das ist auch der Punkt an dem Vertrauen durch richtige Beratung und Projektbetreuung zurückgewonnen wird.

Wo kann KI sonst noch sinnvoll eingesetzt werden?

KI ist nicht nur in der Industrie sinnvoll. Im medizinischen Bereich hilft sie beispielsweise mit Spracherkennung und gibt gehandicapten Personen Selbstständigkeit zurück. Gekoppelt mit intelligenten Robotern, kann KI auch gelähmte Menschen dabei unterstützen ihren Alltag zu meistern. Die Einsatzgebiete sind sehr vielfältig.

Laut einer Microsoft-Studie investiert Deutschland viel weniger in KI als beispielsweise Frankreich und Großbritannien. Wie wichtig ist „KI Made in Germany“ wirklich?

Sehr wichtig! Wer Ausbildung und Forschung zu KI massiv vorantreibt, schafft auch die Voraussetzungen, um sie in der Fläche erfolgreich anzuwenden. Hier müsste in Deutschland mehr getan werden. KI-Experten werden gerade in Deutschland über alle Branchen hinweg gesucht – und dieser Job ist wirklich spannend und baut die Zukunft mit auf.

 

Topics: Künstliche Intelligenz, Machine Learrning, Mensch Maschine, Berufsleben

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